Der Tisch, der schon im Haus war
Der Flur war voll. Drei Schränke, auseinandergenommen und an die Wand gelehnt. Ein Sekretär mit gebrochenem Fuß. Eine ausgehängte Zimmertür. Daneben ein Stapel Dielen, die seit dem Dachbodenausbau dort lagen.
„Das muss alles weg“, sagte der Kunde. „Kommt Freitag der Sperrmüll.“
Wir waren eigentlich wegen eines Esstischs da.
Der Umweg
Der eigentliche Termin war schnell erledigt: sechs Plätze, 2,20 Meter, Altbau mit hohen Decken und Blick ins Tal. Wir hätten am selben Abend ein Angebot über Wildeiche schreiben können.
Stattdessen sind wir noch eine Stunde geblieben und haben den Flur auseinandergenommen. Der Schrank der Großmutter: Eiche, gewachsen, nichts furniert. Der Sekretär: Kirschbaum, unter drei Schichten Lack. Die Zimmertür von 1954: Kiefer, astrein, wie man sie heute nicht mehr kauft.
Was am Freitag im Container gelandet wäre, war besseres Holz als alles, was wir hätten bestellen können.
Fünf Hölzer, fünf Jahrzehnte
Was danach kam, war die eigentliche Arbeit. Fünf verschiedene Hölzer aus fünf Jahrzehnten, jedes mit eigener Feuchte, eigener Farbe, eigener Härte. Der bequeme Weg wäre gewesen, alles dunkel zu beizen und die Unterschiede verschwinden zu lassen.
Wir haben das Gegenteil gemacht. Die Platte zeigt jedes Herkunftsstück als eigenes Feld. Wer genau hinsieht, erkennt, wo der Schrank aufhört und die Tür anfängt.
Der Moment, in dem es schiefging
Nach dem Verleimen stand die Platte drei Tage in der Werkstatt. Am vierten Morgen war sie krumm. Die Kiefer aus der Zimmertür hatte stärker nachgearbeitet als alles andere und die ganze Fläche in eine leichte Schüssel gezogen.
Trennen und neu verleimen hätte zwei Wochen gekostet. Also haben wir sie beschwert, kontrolliert nachtrocknen lassen und von unten mit Stahlprofilen stabilisiert, die den Zug aufnehmen. Was als Notlösung begann, ist heute das Detail, auf das wir am meisten stolz sind: Man sieht es nur, wenn man sich bückt.
Was wir gekauft haben
Leim. Öl. Vier Stahlwinkel.
Alles andere stand vorher schon in dieser Wohnung — nur in anderer Form.
bereits im Haus