Das erste „Multitool“, das Antje bewusst wahrnahm, war das Buttermesser in der Hand ihrer Mutter – Schraubenzieher, Tapetenabschaber, Maurerkelle und Butteraufschmierer in einem. Frei nach dem Motto:
„Geht nicht, gibt’s nicht – vor allem, wenn die Möglichkeiten begrenzt sind.“
So waren die Weichen früh gestellt: basteln, werkeln, selber machen. Ihr Opa, unermüdlich in seiner Gartenlaube, wurde zum ersten großen Lehrmeister. Eine Sechsjährige mit einer Astsäge?
"Schnick-Schnack!"
Trotzdem führte Antjes Weg zunächst in eine andere Richtung – als Zahnarzthelferin. Eine Sackgasse, wie sich herausstellte. Also Neuanfang: Fachhochschulreife in Gestaltung, Bodypainting-Kunst, Eventdeko für Elektropartys, Hausfrau und Mutter.
All die Pappmaché-Projekte, Schwarzlichtröhren und durchgemachten Nächte waren prägende Erfahrungen – doch irgendetwas fehlte.
Parallel entstanden immer neue Möbelprojekte aus Sperrmüllfunden, die sie zerlegte und neu zusammensetzte. Auf die Frage, was sie nach der Elternzeit machen wolle, antwortete sie:
„Zurück in die Praxis? Niemals. Dann lieber eine Ausbildung zur Schreinerin!“
Gesagt, getan – oder selbsterfüllte Prophezeiung.
Mit 28 begann sie die Ausbildung, mit 40 war sie Meisterin.
Sie lernte klassischen Massivholzmöbelbau, modernen Innenausbau und CNC-Technik. Als Eigentümerin eines 240 Jahre alten Hauses entwickelte sie zusätzlich ein Gespür für den respektvollen Umgang mit alter Bausubstanz – Wissen, das sie im nächsten Betrieb bei Denkmalprojekten vertiefen konnte. Alte Böden, Türen und Möbel wiederzubeleben oder Neues harmonisch in Bestehendes einzufügen, wurde zu ihrer Leidenschaft.
Dann kam Ben um die Ecke:
„Ich hab da eine Idee …“
Und weil Antje gern neue Wege geht – besonders, wenn sie Möbel nach ihrem eigenen Sinn bauen darf – fackelte sie nicht lange. Das Schicksal nahm seinen Lauf.